Neue Verteidigung für Mumia Abu-Jamal

06.04.11 (von ivk/jw) Anwältinnen stellten sich in New York der Solidaritätsbewegung vor. Todesstrafe »Fortsetzung der Lynchmorde«

Aus: junge Welt Nr. 81 – 6. April 2011

Die »Nationale Organisation für die Förderung farbiger Menschen« (NAACP), eine der ältesten und einflußreichsten Bürgerrechtsorganisationen in den USA, unterstützt künftig offiziell die Verteidigung von Mumia Abu-Jamal. Obwohl Anwälte der Organisation bereits seit Jahren im Verteidigerteam mitgearbeitet haben, übernimmt die NAACP damit nun die führende Rolle im juristischen Kampf zur Befreiung des von der Hinrichtung bedrohten Journalisten. Am vergangenen Sonntag stellte sich die neu formierte Mannschaft von Juristen in der New Yorker Riverside Church bei einer von rund 150 Menschen besuchten Veranstaltung vor. Dem neuen Verteidigungsteam gehören Johanna Steinberg, Vincent Southerland, Judith Ritter und Christina Swarns an. Ihnen stehen zwei Sprecher zur Seite, die künftig die öffentlichen Stellungnahmen für die Verteidigung übernehmen werden.
Mumia selbst rief die Veranstaltung von der Todeszelle aus an und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Judith Ritter sprach über die lange Geschichte von Mumia Abu-Jamals Fall und machte die erneute Gefahr der Todesstrafe gegen ihn deutlich. Im Anschluß gab Christina Swarns einen historischen Überblick über Rassismus in der Gesellschaft und der Justiz bis zur Gegenwart und stellte einen Zusammenhang mit der Behandlung von Mumia Abu-Jamal her. Die Todesstrafe in den USA sei ein direkter Nachfahre der Sklaverei und des anschließend praktizieren Lynchens, besonders im Süden des Landes. Als die Kritik an den rassistischen Morden stärker geworden sei, habe die juristisch geregelte Todesstrafe das Lynchen des Ku-Klux-Klan ersetzt. Bis heute sei auffällig, daß die meisten Hinrichtungen in Regionen durchgeführt werden, die früher die Hochburgen der Lynchjustiz waren. Dabei bleibe der Zweck der Todesstrafe derselbe wie bei den vorher praktizierten Morden: Die afroamerikanische Bevölkerung solle eingeschüchtert werden, damit sie gesellschaftliche Benachteiligung, Ausschluß und extreme Ausbeutung akzeptiere. »Die Todesstrafe ist eine Waffe sozialer Kontrolle«, unterstrich Swarns.
(jW)


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Stand: 22.10.2018 um 23:32:15 Uhr