»Der Kampf geht weiter«

26.10.26 (von maj) Der seit 1981 in den USA inhaftierte politische Gefangene Mumia Abu-Jamal erhält Augenbehandlungen und hofft auf UN-Petition

Link zum Artikel in junge Welt Nr. 248 vom 26. Oktober 2026: Bitte HIER klicken![1]

»Der Kampf geht weiter«
Er habe »nach wie vor mit Sehproblemen zu kämpfen«, sagte Mumia Abu-Jamal in einer Grußbotschaft am 13. Oktober. Seine Worte richtete er an die Teilnehmer der Pressekonferenz, die am 13. Oktober in der New Yorker Kirchengemeinde Grace Congregation Church of Harlem stattfand: Er könne kaum Post und Bücher lesen und »auch beim Gehen nicht gut sehen«. Er nehme »eine Menge Augentropfen, die zwar helfen, aber keine Heilung bringen«. Das wird sich jetzt ändern. Wie das Berliner »Free-Mumia«-Bündnis am 10. Oktober meldete, wird »Mumia inzwischen endlich gegen die drohende Netzhautablösung behandelt«.

Nach monatelangen Protesten in den USA und Kundgebungen vor US-Botschaften vieler Länder richtete sich der in jahrzehntelanger Haft erkrankte Bürgerrechtler und politische Gefangene kürzlich an all jene, die sich für seine medizinische Behandlung und gegen die drohende Erblindung einsetzen. In dem telefonischen Grußwort sagte er: »Ich möchte mich einfach bei allen in dieser Kirche bedanken – unseren Komiteemitgliedern, unseren Unterstützern und den Mitgliedern des Gesundheitskomitees.« Sie hätten sich über alle Maßen engagiert, »damit ihr Bruder nach etwa acht Monaten wieder sehen kann. Acht Monate, in denen er in der Dunkelheit gelebt hat.«

Anlass für die Pressekonferenz war die Bekräftigung der am 28. Juli 2026 bei der »Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen« der Vereinten Nationen in Genf eingereichten Petition von Abu-Jamal. Das Gesuch hatten der Anwalt Bret Grote vom Abolitionist Law Center, beraten von Abu-Jamals Vertrauensarzt Ricardo Alvarez, zusammen mit mehreren US-Bürgerrechtsorganisationen eingebracht. In der Petition heißt es, der Mandant sei »wegen eines Verbrechens, das er nicht begangen hat, willkürlich inhaftiert worden«, und er werde in der Haft sterben, da er nur mangelhaft medizinisch versorgt wird. Seit 2015 war Abu-Jamal aufgrund rigider Haftbedingungen mehrfach lebensbedrohlich erkrankt. »Wir streben eine Entscheidung der Vereinten Nationen an, die die Voreingenommenheit, den Rassismus und die Grausamkeit des Justizsystems in Mumias Fall aufdeckt«, erklärte Grote in Harlem.

Nachdem seine Berufungsanträge vor US-Gerichten routinemäßig abgelehnt und ihm ein neues Verfahren verweigert wurde, ruhen die Hoffnungen Abu-Jamals auf der kommenden Beratung des Völkerrechtsgremiums. Sein Fall werde dort »vor internationalen Juristen von großem Ansehen und hohem Rang verhandelt«, erklärte er. Diese seien unabhängig und würden »nicht von der FOP bezahlt«, jener rassistischen US-Polizeibruderschaft, die immer wieder gegen seine Freilassung gehetzt hat.

Abu-Jamal betonte: »Der Kampf geht weiter.« Er kämpft seit Jahrzehnten aus der Haft heraus, indem er mit seinen Artikeln und Büchern die politische Weltlage analysiert und sich für grundlegende Veränderungen starkmacht. Seine jW-Kolumne erscheint im 26. Jahr, in bislang fast 1.200 Ausgaben, seit seiner Augenerkrankung jedoch unregelmäßig. In seiner vorletzten Kolumne vom 12. Oktober erinnerte der Veteran der »Black Panther Party« (BPP) an deren Gründung vor 60 Jahren. Die BPP sei »eine Jugendbewegung, im Grunde sogar eine Bewegung von Teenagern« gewesen, deren Mitglieder zu »mehr als 60 Prozent« Mädchen und Frauen waren, schrieb er. Damit schlug er erneut einen Bogen zu den aktuellen Protestbewegungen in den USA und in Europa gegen sozialen Kahlschlag, Rassismus und Militarismus.

Das US-Bündnis »Mobilization for Mumia« erklärte am Donnerstag, es sei vor allem stolz auf die protestierenden Jugendlichen des Pariser Vorortes Saint-Denis und dessen Bürgermeister Bally Bagayoko, der »Mumia einmal im Knast besucht hat« und sich jetzt »gemeinsam mit den Jugendlichen gegen brutale Polizeieinsätze zur Wehr setzt«. Vor zwanzig Jahren hatte der Ort eine Straße nach Mumia benannt und sich dem Druck aus den USA widersetzt, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Die heutige Jugend von Saint-Denis kämpfe mit »dem gleichen Mut wie ihre Vorgänger damals«.
Jürgen Heiser


Links im Artikel: 1
[1] https://www.jungewelt.de/artikel/532179.vereinigte-staaten-der-kampf-geht-weiter.html

Ausdruck von: http://freedom-now.de/news/artikel2266.html
Stand: 30.10.2026 um 07:09:10 Uhr