Zwischen Diplomatie und Militanz

03.11.17 (von ivk-jw) In der Nacht von Sonntag auf Montag starb Dennis Banks. Er war seit den 1960er Jahren ein Aktivist gegen die Unterdrückung der nordamerikanischen Ureinwohner

Link zum Artikel in junge Welt Nr. 255 vom 3. November 2017: Bitte HIER klicken![1]

Link zum Artikel über den 2012 verstorbenen Russell Means in junge Welt vom 25. Oktober 2012: Bitte HIER klicken![2]

Dennis Banks: Zwischen Diplomatie und Militanz
Die Widerstandsbewegung der nordamerikanischen Ureinwohner hat einen ihrer beharrlichsten Vorkämpfer verloren. Dennis Banks vom Stamm der Ojibwe-Chippewa starb in der Nacht auf Montag in der Mayo Clinic in Rochester im Kreis seiner Familie und Freunde. Wie seine Tochter Tashina Banks Rama mitteilte, war der Tod des 80jährigen die Folge einer schweren Lungenentzündung, die er sich nach einer am 18. Oktober zunächst erfolgreich verlaufenen Operation am offenen Herzen zugezogen hatte.
Banks war 1968 Mitbegründer des »American Indian Movement« (AIM), das mit seinen Kampagnen die Tatsache des Völkermords an den Native Americans und ihre bis in die Gegenwart fortdauernde Unterdrückung in alle Welt trug. Getreu dem Titel »Ojibwe Warrior« seiner 2005 veröffentlichten Autobiographie sei Banks sein Leben lang als »unermüdlicher Kämpfer für die Sache der amerikanischen Indianer« eingetreten, hieß es im US-Blog Native News Online. Die New York Times stellte heraus, »Banks und sein Mitstreiter Russell Means von den Oglala Sioux« seien Mitte der 1970er Jahre »wohl die bestbekannten Native Americans seit Sitting Bull und Crazy Horse« gewesen.
»Ich möchte als jemand in Erinnerung bleiben, der aufstand, wenn es Zeit war, sich zu erheben; nichts mehr«, hatte Banks 2009 in einem Vortrag an der Universität in Allendale erklärt. Wenn er vor den »Großen Geist« trete, wolle er sagen können: »Ich habe mein Bestes gegeben.«
Michael Koch vom deutschen Leonard-Peltier-Solidaritätskomitee hob Banks’ Einsatz für den in den USA seit 40 Jahren inhaftierten AIM-Aktivisten und politischen Gefangenen hervor. Bei den Aktionen für die Belange der indigenen Ureinwohner seien Banks’ »vielfältige Strategien zwischen Diplomatie und Militanz, zwischen Verhandlung und direkter Aktion ein positives Beispiel für eine reflektierte Form von Widerstand, Beharren und Ausdauer« gewesen.
Dennis Banks, 1937 geboren und von seinen Eltern Nowa Cumig (»Zentrum des Universums«) genannt, wurde seiner Familie im Alter von fünf Jahren entrissen und in mehrere sogenannte Internate gesteckt, die der Umerziehung von Kindern aus traditionell lebenden Stämmen dienten. Diese Erfahrung sowie ständige Polizeigewalt und eine Gefängnisstrafe wegen des Diebstahls von Lebensmitteln als Jugendlicher prägten ihn. Die Gründung des AIM in der Zeit von Black Power und Vietnamkriegsopposition war die Konsequenz daraus, dass auch die amerikanischen Ureinwohner nicht länger ohnmächtig und entrechtet bleiben wollten.
Banks lebte in der Leech Lake Reservation im Norden Minnesotas. Die Kraft seiner letzten Lebensmonate widmete er der Unterstützung des Widerstands der Standing Rock Sioux gegen den Bau der »Dakota Access Pipeline« in North Dakota. Dort gab er seine Erfahrungen an eine neue Generation indigener Aktivisten weiter. Mit ihnen zusammen stellte er sich im Februar 2017 der von Polizei und Politik erzwungenen Auflösung der Widerstandscamps entgegen. Vor den dort versammelten Stammesangehörigen und Klimaschützern erklärt er, sie könnten »stolz darauf sein«, mit ihrem »Widerstand gegen die großen Ölkonzerne« der Welt den Weg gewiesen zu haben.
Dabei erinnerte er an die 1973 von Hunderten AIM-Mitgliedern bei der Besetzung des Dorfes Wounded Knee auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota mit gewalttätigen Sicherheitskräften gemachten Erfahrungen. Die 71tägige Aktion am symbolträchtigen Ort eines der letzten Massaker der »Indianerkriege«, bei dem die 7. US-Kavallerie 1890 mehr als 350 Stammesangehörige abgeschlachtet hatte, wurde auch zum politischen Fanal für die aufbegehrende Jugend in Europa.
In Standing Rock erklärte Banks, er fühle sich »geehrt«, Teil der heutigen Widerstandsbewegung sein zu können. Der Kampf gegen die Pipeline gehöre »zu den ehrenvollsten Dingen, die ich in meinem Leben getan habe«, schloss Banks im Februar seine Rede, nicht ohne die weiße Klientel des frischgewählten US-Präsidenten Donald Trump zu warnen: »Mach’ keinen Fehler, Amerika, wir werden dir keine Ruhe mehr lassen!«
Jürgen Heiser


Links im Artikel: 2
[1] https://www.jungewelt.de/artikel/321090.zwischen-diplomatie-und-militanz.html
[2] https://www.jungewelt.de/artikel/191192.krieger-und-kulturaktivist.html

Ausdruck von: http://freedom-now.de/news/artikel1574.html
Stand: 18.11.2017 um 05:36:12 Uhr