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Kolumne 1.169 vom 16.02.2026: Das Geschenk Frantz Fanons16.02.26 (von maj) Das Werk des antikolonialen Vordenkers ist nach wie vor wegweisend. Etwa mit der Erkenntnis, dass der Kolonialismus auch Krieg gegen die Geschichtsschreibung der Völker führt
Mumia Abu-Jamal * Link zum Artikel in junge Welt Nr. 39 vom 16. Februar 2026: Bitte HIER klicken! Das Geschenk Frantz Fanons Wenn Fanon uns irgendwelche Geschenke macht, dann sind sie meiner Meinung nach echtes Soul Food – Nahrung für die Seele der heutigen Freiheitskämpfe. Zunächst wäre da seine fesselnde Botschaft über das Wesen des Kolonialismus, der nicht nur für gegenwärtige Kriege verantwortlich ist, sondern stets auch einen Krieg gegen die Geschichtsschreibung der Völker führte. Wie Fanon schrieb, sei »vielleicht noch nicht genügend darauf hingewiesen worden, dass der Kolonialismus sich nicht damit begnügt, der Gegenwart und der Zukunft des beherrschten Landes sein Gesetz aufzuzwingen. Er gibt sich nicht damit zufrieden, das Volk in Ketten zu legen, jede Form und jeden Inhalt aus dem Gehirn des Kolonisierten zu vertreiben. Er kehrt die Logik gleichsam um und richtet sein Interesse auch auf die Vergangenheit des unterdrückten Volkes, um sie zu verzerren, zu entstellen und auszulöschen.« Warum zerstört die Kolonialmacht die Geschichte eines Volkes? Sie handelt nach dem einfachen Grundsatz: Zerstöre die Vergangenheit, und du zerstörst die Gegenwart. Dies vermittelt einen Eindruck davon, welche Kraft, welchen Wert und welche Bedeutung die Geschichte eines Volkes für dessen Bestand hat. Kommen wir nun zum zweiten Geschenk, das uns Fanon gemacht hat. Auch für seine Botschaft an junge Menschen schlagen wir erneut die Seiten seines Werks »Die Verdammten dieser Erde« auf. Dort schrieb er: »Jede Generation muss in einer relativen Finsternis ihre Mission entdecken und sie entweder erfüllen oder verraten.« Diese Fragen des revolutionären Denkers und Praktikers Frantz Fanon stellen sich jeder Generation: Was ist deine Mission? Wirst du sie erfüllen? Oder wirst du sie verraten? Der Audiobeitrag »The Gift of Frantz Fanon« von Mumia Abu-Jamal war am 4. Februar der Auftakt zur Seminarreihe »Reading Frantz Fanon« zu Beginn an der »W. E. B. Du Bois Movement School for Abolition & Reconstruction« in Philadelphia. Bis zum 29. April haben die Teilnehmenden persönlich oder online via Youtube die Möglichkeit, sich jeweils mittwochs um 17:30 Uhr (Ortszeit) »mit ausgewählten Texten aus dem Gesamtwerk des antikolonialen Revolutionärs zu befassen«, so die Ankündigung der Bewegungsschule. »Wie immer mit dem Ziel, daraus wichtige Lehren für die bevorstehenden Kämpfe zu ziehen.« Zu Seminarbeginn sagte Geo Maher, der Leiter der Schule, er könne sich »keinen besseren Einstieg in unser Gespräch vorstellen als Mumias Worte und seine Inspiration als Symbolfigur und Veteran in dem Kampf, an dem wir alle beteiligt sind«. In den nachfolgenden Veranstaltungen werde »Mumia möglicherweise eine interaktive Rolle im Seminar spielen«, so Maher. Dies sei kompliziert, doch die Schule arbeite daran, das zu ermöglichen.(jh) |
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