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Kolumne 866 vom 24.07.2017: Hitze der Veränderung

24.07.17 (von maj) Über den revolutionären Elan der Jugend und ihren Einfluss auf die sozialen Umwälzung der Gesellschaft

Mumia Abu-Jamal * Link zum Artikel in junge Welt Nr. 169 vom 24. Juli 2017: Bitte HIER klicken!

Hitze der Veränderung
Wer jemals Kindern aufmerksam beim Spielen zugesehen hat, dem wird zuallererst ihre volle Konzentration und die Intensität aufgefallen sein, mit der sie bei der Sache sind. Als zweites fällt ihre unbändige Energie auf, mit der sie laufen, rennen, springen in ihrer Welt des Spiels, die sie wie ein Kokon umfängt. Daraus lernen wir, dass junge Menschen sowohl körperlich als auch geistig wahre Energiebündel sind.

Warum ist das wichtig für uns? Weil all unsere Analysen belegen, dass die Jugend der natürliche Träger revolutionärer Energie ist. In der Tat sind junge Menschen in ihrem Wesen durchflutet von einem revolutionären Prozess der Transformation, wenn sie sich vom Kind zum Erwachsenen entwickeln. Dann brodelt es in ihrem Körper wie bei einer Revolution, und indem sie sich persönlich verändern, werden sie auch zum Quell von Veränderungen ihrer Umgebung und erfüllen den gesellschaftlichen Wandel mit ihrer Lebenskraft.

Aus der Wissenschaft ist bekannt, dass Moleküle, die ihre Bewegung steigern, in diesem Prozess thermische Energie, also Wärme, erzeugen. Vergleichbar damit ist der Prozess, in dem soziale Bewegungen eine statische Gesellschaft erschüttern und Auseinandersetzungen auslösen, die Hitze erzeugen. Diese Hitze ist das Element, das die Voraussetzungen schafft für Veränderungen. Wenn wir kochen, ist es nicht anders. Dann verwandeln wir rohe Lebensmittel in Nahrung, die wir essen und verdauen können. Wenn wir Sport treiben, verwandeln wir das Eiweiß aus der Nahrung in Muskelmasse. Und wenn wir uns körperlich lieben, kann aus der Hitze zwischen uns neues Leben entstehen.

Wenn wir unsere gesellschaftlichen Kämpfe führen, dann bringen wir auch etwas zum Kochen und bewirken gesellschaftliche Veränderungen. Wenn wir nur hart genug kämpfen – sehr hart kämpfen! –, dann machen wir eine Revolution und leiten die Geburt einer völligen sozialen Umwälzung der Gesellschaft ein. Es ist die Jugend, die Revolutionen macht. Das hat sie schon immer getan, und sie wird auch künftig dabei immer die treibende Kraft sein. Dazu möchte ich noch ein paar passende Worte des großen schwarzen Revolutionärs Frantz Fanon (1925–1961) zitieren, der bis zum seinem Tod unermüdlich für die algerische Revolution gekämpft hat. Weil ich seinen Originaltext »Die Verdammten dieser Erde«, aus dem das Zitat stammt, nicht zur Hand habe, kann ich seine Worte nur sinngemäß aus meiner Erinnerung wiedergeben. Er sagte, jede Generation müsse aus relativer Dunkelheit ihre Bestimmung finden und sie erfüllen – oder verraten.

Übersetzung: Jürgen Heiser

 
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